die GEW RLP
Mitglieder

Die 90er

JAHRE EREIGNIS/STICHWORT
1991

SPD gewinnt den Wahlkampf in RLP

„Das Ergebnis der Landtagswahl vom 21.04.1991 ist für den GEW-Landesvorstand ein Anlass zur Freude und zur Hoffnung. Endlich und erstmalig in diesem am längsten von der CDU beherrschten Bundesland bieten sich Chancen, Bildungsreform im Sinne von mehr Demokratie, Chancengleichheit und Integration zu realisieren. Dabei ist der GEW klar, dass 44 Jahre konservative Bildungspolitik, die bis in alle Bereiche tiefe Wirkungen hinterlassen hat, auch mit größter Kraftanstrengung nicht binnen kurzer Zeit überwunden werden kann. ... Die neue Regierungskoalition, wie auch immer sie aussieht, ist deshalb gut beraten, offensiv die längst überfälligen bildungspolitischen Reformvorhaben anzupacken.“ (WSZ 4-5/1991, Seite 107)

 

Das GEW-Mitglied Rose Götte wird zuständige Ministerin

In einem Interview mit der designierten Kultusministerin fragt die WSZ-Redaktion was Frau Dr. Götte, falls sie Kultusministerin werde, angehen möchte: „Ich werde einen ganzen Berg von Problemen angehen müssen, den die jetzige Regierung jahrelang vor sich hergeschoben hat.

  • Es gibt zu wenige Ganztagsschulen.
  • Es gibt zu wenige Gesamtschulen.
  • Die Berufsschule war seit jeher das Stiefkind der Landesregierung
  • Die Grundschule wird durch den Zwang, Auslese zu betreiben, in ihrer pädagogischen Arbeit behindert und verformt.
  • Parteipolitischer Filz (z.B. bei der Besetzung der Schulleiterstellen in Gymnasien) hat die demokratischen Prozesse an den Schulen blockiert.
  • Überfrachtete Lehrpläne müssen beseitigt werden.“
(WSZ 2/1991, Seite 40)
 

Frieder Bechberger-Derscheidt wechselt ins Ministerium

„Ein Abschied und ein Neubeginn, Frieder Bechberger-Derscheidt wird künftig die Kultusministerin Rose Götte beraten. Die Ära „Frieder“ ist für die GEW am 05. Juni (1991) nach acht Jahren zu Ende gegangen. Aber schon heute steht fest, dass sie Auswirkungen für lange Zeit haben wird, denn: Frieder Bechberger-Derscheidt nimmt seine GEW-Überzeugungen und Erfahrungen mit hinein in sein neues Amt als Büroleiter der neuen Kultusministerin Rose Götte. Am 01. Juni hat er im Kultusministerium sein Büro bezogen. Über diesen Karrieresprung in eine „Nadelöhrposition“ des Ministeriums für Bildung und Kultur können sich alle GewerkschafterInnen im Lande nur freuen, denn das bedeutet nichts anderes, als dass der Mann, der die GEW-Politik in den letzten Jahren so nachdrücklich geprägt hat, nun der bildungspolitische Berater der Ministerin ist und die von ihr angekündigten Reformmaßnahmen fachlich begleiten wird. ... Schlagzeilen: Die Arbeit wird nicht weniger. GEW muss weiter wachsam bleiben.“ (WSZ 6/1991, Seite 139)

 

GEW bildet Übergangsvorstand

Um keinen außerordentlichen Gewerkschaftstag einberufen zu müssen, „schlägt der GV vor, bis zum ordentlichen Gewerkschaftstag die laufenden Geschäfte in Teamarbeit zu führen. Erika Schmitt-Neßler soll den Landesvorstand gemäß § 17 Ziffer 6 verantwortlich leiten. Die seitherige volle Freistellung von Frieder Bechberger-Derscheidt soll auf mehrere Schultern verteilt und als Teilzeitarbeit in die Geschäftsführung eingebracht werden. Für Teilfreistellungen kämen in Frage: Edgar Thiel, Werner Dörr, Angelika Zauner und Gernot Zeitlinger. Da für die Freistellungen nicht mehr Geld ausgegeben werden kann als seither, sollen zunächst Angelika Zauner mit 10 Stunden, Edgar Thiel und Werner Dörr mit je einem Viertel der regelmäßigen Arbeitszeit freigestellt werden. Erika Schmitt-Neßler wird Frieder im Hauptvorstand ersetzen, Dieter Roß die Vertretung im DGB wahrnehmen und Werner Dörr für Erika in den HA-Bund nachrücken. Die Freistellung für Genot Zeitlinger soll zurückgestellt werden bis geklärt ist, ob von der Bundesorganisation mehr Mittel aus dem Solidaritsfonds zur Verfügung gestellt werden können. ... Der Freitag ist als GV-Tag vorgesehen, an dem die laufenden Geschäfte und die Aufgabenverteilung besprochen werden sollen.“ (Protokoll der Sitzung des Hauptausschusses am 05.06.1991 in Mainz)

1992

Wahl von Tilman Boehlkau, Erika Schmitt-Neßler und Bettina Gerhard

„Die neue GEW-Spitze ist ein Trio. ... Ständig bereit sich zu verändern ... Wir müssen in die Offensive gehen. ... Bildungshaushalt kein Spartopf. ...“ (Tilman Boehlkau)
„Für Erika Schmitt-Neßler bleibt die Arbeit im Personalrat Schwerpunkt. ...“
„Bettina Gerhard will die Interessen der Schularten besser verzahnen. ... Das Gymnasium veränder und verbessern. ... Verteilungskämpfe werden härter ...“

(WSZ 7/1992, Seite 146 – 151)
 

Verstärkung der ÖffentlichkeitsarbeitStichwort Medienpräsenz

Mit der Auseinandersetzung um Kürzungsmaßnahmen im Bereich des Bildungshaushaltes (Stundentafelkürzung, Streichung der Lernmittelfreiheit, weniger Neueinstellungen, Arbeitszeitverlängerung ...), die mit dem „Maßnahmenpaket zur Sicherung der Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen und notwendigen Schritten zur Weiterentwicklung des Schulsystems“ vom 22.12.1992 für zehn Jahre festgeschrieben wurden, wurde die GEW Rheinland-Pfalz als Ansprechpartner für die Medien interessant, da sie – bisher traditionell der SPD verbunden – gegen eine SPD-geführte Landesregierung „heftig“ zu Felde zog. In vielen Interviews in Rundfunk, Fernsehen und den Printmedien wurde die GEW Rheinland-Pfalz erster Ansprechpartner in allen bildungspolitischen Fragen. (SWF „Kopfnuss“, Länderspiegel, SWF 1 Hörfunk, SWR 2 Kultur, RPR, SWR Abendschau, ZDF, SAT 1, dpa, Rheinzeitung, Rheinpfalz, Frankfurter Rundschau, Mannheimer Morgen ...)

 

Bildungsbündnis

Im Zusammenhang mit dem oben genannten Maßnahmenpaket von 1992 gab es ein erstes Bildungsbündnis der GEW Rheinland-Pfalz mit der Landesschülervertretung Gymnasien und Gesamtschulen sowie mit dem Landeselternbeirat, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dem Grünen Jugendbündnis und den Jungdemokraten. In gemeinsamen Foren und Presseverlautbarungen wurde gegen die Kürzungspolitik der rot-gelben Landesregierung opponiert. Daraus entstand die – bis zu diesem Zeitpunkt - größte in Mainz durchgefürte Demonstration:

03.02.1993

Demo Theaterplatz in Mainz

Unter dem Motto „Die GEW. Demokratisch, kompetenz und streitbar. Rotstiftpolitik nein! Bildungsreformen ja! Bildung muss Vorrang haben.“ wurde zur Demonstration am Mittwoch, 03. Februar 1993 ab 16.00 Uhr auf dem Ernst-Ludwig-Platz in Mainz aufgerufen. An der Demonstration durch die Mainzer Innenstadt beteiligten sich nach Polizeiangaben ca. 7.500 LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern. Die TeilnehmerInnen zeigten u.a. Plakate mit folgenden Aufschriften:

  • Wenn man uns für Esel hält, werden wir störrisch.
  • Die Bildung geht am Stock.
  • Im Namen der Rose: Schulreform geht in die Hose.
  • Diät für die Schule, Diäten für die Abgeordneten.
  • Scharping der SparKing!

Die Westdeutsche Schulzeitung 2/1993 berichtet unter der Überschrift „Zorn und Witz über den Scherbenhaufen“ auf den Seiten 35 – 40 ausführlich über die o.g. Demo.
Auszüge aus der WSZ 2/99:
Bianka Tiedtke, stellv. Bundesvorsitzende der GEW: „Als erstes Land der Bundesrepublik macht diese Landesregierung den Versuch, die Arbeitszeit für Lehrerinnen und Lehrer einseitig zu erhöhen. Die Landesregierung und ihr Ministerpräsident machen sich damit zum Vorreiter von Arbeitszeitverlängerungen. ...“
„... Bemerkenswert an den beiden Reden: Da wurde nicht allein der Bildungsministerin Dr. Rose Götte die Schuld an dem gegenwärtigen schulpolitischen Desaster zugeschoben, sondern der Chef der Landesregierung, Ministerpräsident Scharping, wird als der eigentlich Verantwortliche genannt. ...“

„Verhandlungen mit der GEW gefordert, Konzept zur Sicherung der Unterrichtsversorgung ist falsch gewichtet. ... Der DGB-Landesbezirksvorstand Rheinland-Pfalz hält die Vorschläge der Landesregierung, die Unterrichtsverpflichtung anzuheben, für fehlerhaft. Dies kommt einer Verlängerung der Lehrerarbeitszeit gleich, so der Vorsitzende des DGB-Landesbezirks Rheinland-Pfalz, Dieter Kretschmer. Der DGB-Landesbezirksvorstand verlangt von der Landesregierung, dass sie vor Umsetzung der verabschiedeten Einsparungsüberlegungen in ergänzende Verhandlungen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur Auslotung anders gewichteter Einsparungsvorschläge eintritt. ...“
  Steigende Mitgliederzahlen

In den Jahren 1994 bis 1999 hat die GEW Rheinland-Pfalz eine positive Mitgliederentwicklung zu verzeichnen:     
1992 – 6.836 Mitglieder,
1993 – 6.809,
1994 – 6.024 (Einbruch wegen des 1. Maßnahmenpakets der neuen Landesregierung),
1995 – 7.050,
1996 – 7.098,
1997 – 7.410,
1998 – 7.584
1999 – 7.720.

Diese Mitgliedersteigerung ist nach unserer internen Analyse u.a. darauf zurückzuführen, dass seit 1994 eine hauptamtliche Stelle für den außerschulischen Bereich eingerichtet ist und ebenfalls seit 1994 eine hauptamtlich besetzte Rechtsschutzstelle für die GEW Rheinland-Pfalz arbeitet sowie die Mitgliederwerbung professioneller gestaltet wurde z.B. durch den abgesenkten Einstiegsbeitrag für BerufsanfängerInnen und Werbegeschenke für WerberInnen aber auch Neueingetretene.
1996

KOSI 2010 - Klemm-Studie

GEW-Zeitung Rheinland-Pfalz 12/96: Titelbild „Schafft die Schule ab, die kostet nur Geld!
Wo’s klemmt!“
Seite 3: „Arbeitszeitverlängerung vernichtet Arbeitsplätze und schmälert die Einstellungschancen! Unverständnis, Verärgerung, Empörung, Entsetzen ... Was ist das richtige Wort, mit dem auf die „Expertise zur Unterrichtsversorgung bei steigenden SchülerInnenzahlen in Rheinland-Pfalz“ vom 21. November 1996 reagiert werden muss? Auf 40 Seiten versucht der Gutachter der Landesregierung (Prof. Dr. Klaus Klemm) Handlungshinweise zu geben, wie den steigenden SchülerInnenzahlen begegnet werden kann, ohne dass es zu den notwendigen Neueinstellungen kommt! Die Quadratur des Kreises? Auch diesmal ist sie nicht gelungen! Fast ausschließlich auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer soll die Bewältigung des Problems, das die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nicht negieren will und kann, ausgetragen werden. Alle Vorschläge, die mit den Betroffenen noch diskutiert werden sollen (dadurch werden sie auch nicht besser!), laufen auf eine Arbeitszeitverlängerung und auf gravierende Verschlechterungen der Arbeits- und Lernbedingungen hinaus. ... Bei allen Überlegungen hat für die GEW Vorrang:

  • Es müssen Arbeitsbedingungen und Belastungsfaktoren berücksichtigt werden!
  • Es müssen Einstellungsperspektiven für gut ausgebildete LehrerInnen eröffnet werden!
  • Dass nur einer gibt und der andere nimmt, kommt für die GEW nicht in Frage!
  • Schule und Politik müssen die bevorstehende Herausforderung gemeinsam meistern!
Tilman Boehlkau“
1997

Abstimmung über Eingliederung in VER.DI (57% zu 43%)

Seit August 1997 wird in der GEW Rheinland-Pfalz, ab September 1997 in der GEW auf Bundesebene, über die entstehende Gewerkschaft für den Dienstleistungsbereich diskutiert. Die Gewerkschaften ÖTV, DAG, HBV, DPG, IG Medien und GEW wollen die größte Einzelgewerkschaft der Welt für den „Dienstleistungsbereich, die dienstleistungsnahe Industrie, den Medien-, Kultur- und Bildungsbereich“ schaffen. In der GEW entsteht eine Neustrukturie-rungsdebatte, die auf Bundesebene sehr kontrovers, in Rheinland-Pfalz allerdings sehr einheitlich geführt wird. Während sich fast alle Untergliederungen in Rheinland-Pfalz einstimmig für die neue Gewerkschaft aussprechen, entsteht auf Bundesebene eine gegenläufige Bewegung, besonders beeinflusst von der strikten Ablehnung der neuen Gewerkschaft durch die GEW-Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. In sehr vielen Mitgliederversammlungen informiert der Landesvorsitzende über die neu entstehende Gewerkschaft und nimmt die Meinungsbildung aus Rheinland-Pfalz mit in die Bundesgremien, wo er Unterstützung bei den GEW-Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen findet. In mehreren Hauptvorstandssitzungen beschäftigt sich die GEW auf Bundesebene mit der Neustrukturierung und muss feststellen, dass die GEW sehr uneinheitlich diese Debatte begleitet. In Sorge vor einer Spaltung der GEW setzt der Koordinierungsvorstand im Juni 1998 in Dresden die Gespräche mit den anderen Gewerkschaften aus und verschiebt eine Entscheidung auf den Herbst 1998. Der Hauptvorstand tagt im September 1998 in Ludwigshafen und entscheidet, dass im Frühjahr 1999 ein außerordentlicher Gewerkschaftstag auf Bundesebene einzuberufen ist, der sich dem Schwerpunkt Neustrukturierung widmet.

Am 19. Mai 1999 beschließt der außerordentliche Gewerkschaftstag der GEW in Würzburg mit 233 zu 170 Stimmen (58 % zu 42 %) die Eigenständigkeit der GEW und lehnen damit die von vier Landesverbänden (darunter Rheinland-Pfalz) beantragte Wiederaufnahme der Gespräche zur Gründung einer neuen Dienstleistungsgewerkschaft ab.

 

Aufhebung des Radikalenerlasses in RLPRehabilitierung der Opfer des Radikalenerlasses

Auf der Grundlage des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 26. September 1995 wegen des sogenannten „Radikalenerlasses“ wurde die GEW Rheinland-Pfalz beim Minister für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, vorstellig und forderte die Wiedereinstellung bzw. die Rehabilitierung der vom Radikalenerlass betroffenen KollegInnen. Mit Ablauf des Jahres 1997 wurde den drei betroffenen Lehrkräften eine Lösung ihrer damaligen Unrechtsbehandlung in Aussicht gestellt, die mittlerweile auch umgesetzt ist:

  • Im Falle der Gehaltskürzung ist die Rückgängimachung vereinbart worden.
  • In den Fällen der Entlassung als Beamter auf Probe geht es um eine Zahlung aus Billigkeitsgründen im Vergleichswege.
  • Die Wiedereinstellung erfolgte zum 01. August 1990 bzw. zum 01. August 1993.
Damit wurden die Forderungen der GEW Rheinland-Pfalz in vollem Umfange erfüllt.

Die 80er

JAHRE EREIGNIS/STICHWORT FRAGE
 

Kampf gegen Zwangsteilzeit

Die 80er Jahre waren geprägt von der Auseinandersetzung um die Zwangsteilzeitbeschäftigung im Beamtenverhältnis sowie die unterhälftig beschäftigten Kolleginnen und Kollegen (mit mindestens einer Stunde unter der Hälfte des Regelstundenmaßes). Begründet wurde diese Einstellungspraxis mit den rückläufigen Schülerzahlen (1964 744.391 gegenüber 1988 515.324 SchülerInnen). Zunächst wurde den KollegInnen eine ¾-Beamtenstelle angeboten, gegen die die GEW von Anfang an rechtliche Bedenken geltend machte.

 

Nach diesem Urteil versuchte das Kultus­ministerium diese Entscheidung zu umgehen, in dem den KollegInnen eine ¾-BAT-Stelle angeboten werden sollte. Am 09.08.89 schrieb Frieder Bechberger an alle Neueinzustellenden: „Die GEW hat sofort reagiert und den Kultusminister schriftlich aufgefordert, diese „Lösung“ nicht zu vollziehen, da sie durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ... nicht zwingend geboten ist, nach Auffassung der GEW einen Verstoß gegen geltendes Recht darstellt, Zwangsteilzeitbeschäftigung auf dem Umweg des Angestelltenrechts wieder einführt, den Betroffenen bis 1992/93 keine Garantie auf eine volle Beamtenstelle gibt und Verärgerung und Vertrauensabbau nicht nur bei den direkt Betroffenen auslöst.“

Neben den ¾-BAT-Stellen war in den 80er Jahren – auch auf Grund der rückläufigen Schülerzahlen und eines Überhangs an BewerberIn­nen – die „unterhälftige Beschäftigung“ Praxis an den rheinland-pfälzischen Schulen. Die GEW hat diese Praxis heftig angegriffen, die Personalräte aufgefordert, diesen Beschäftigungsverhält­nissen nicht zuzustimmen und ein Beschluss­verfahren vor dem Arbeitsgericht eingeleitet.
Ergebnisse

Vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde diese Einstellungspraxis moniert: „Das Gericht stellte darin im wesentlichen fest, dass es rechtswidrig ist, wenn das Land die BewerberInnen um eine Planstelle dazu zwinge, einen Antrag auf Teilzeitbeschäftigung zu stellen, damit sie überhaupt eine Chance auf Einstellung haben. Das Normalarbeitsverhältnis auf einer Vollzeitstelle müsse angeboten werden. ... Denn Teilzeitbeschäftigung bedeutet nicht nur eine Kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit. Es ist auch zu bedenken, dass Besoldungsabzüge und Versorgungsabschläge damit verbunden sind. ...“ (WSZ 9/89, Seite 197)

Am 18.09.89 zieht Rheinland-Pfalz laut Staatsanzeiger die Konsequenz aus dem BVG-Urteil und bietet „Volle Stellen für Lehrer:
Alle Lehrer, die 1987, 1988 und zum 01. Februar 1989 eingestellt worden sind und denen eine ¾-Beamtenstelle zugewiesen wurde, erhalten zum 01. Februar 1990 das Angebot einer vollen Stelle. ... Die Auswertung des Urteils habe ergeben, dass das Land ohne schuldhafte Verzögerungen Konsequenzen ziehen und den betroffenen Beamten das Angebot einer vollen Stelle unterbreiten muss. ... Die Inhaberinnen und Inhaber dieser (¾-BAT-Stellen) hätten zwar keinen rechtlichen, aber einen moralischen Anspruch auf eine baldige Überleitung, betonte Gölter. ...“

 

Nach langen Jahren der Auseinandersetzung hat das Bundesarbeitsgericht am 25.01.1989 ent­schieden „... dass der Arbeitgeber einen teilzeit­beschäftigten Arbeitnehmer nicht wegen der Teilzeitarbeit gegenüber vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern unterschiedlich behandeln darf.

... Lehrkräfte haben seit dem 01.05.1985 An­spruch darauf, dass ihnen von der BAT-Vergü­tung, die einer entsprechenden vollbeschäftigten Lehrkraft nach den Lehrerrichtlinien zusteht, der Teil gezahlt wird, der dem Verhältnis der verein­barten Pflichtstundenzahl zur Pflichtstundenzahl der vollbeschäftigten Lehrkraft entspricht. ...“

 

1980

Wahl von Paul Unger zum Vorsitzenden

sechszügig mit gymnasialer Oberstufe (1992 Gründung der IGS-Dependance, vierzügig)

Mehr zu Ranzenberger

Initiator der ersten IGS in Mainz

geb. am 26.05.22
von 1964 – 66  Mitglied des Landesvorstandes als Leiter der Schulpolitischen Landesstelle,
von 1970 – 1977 Leiter der Landespressestelle,
1977 – 1986 Stellv. Vorsitzender, 1986 – 1992 Schriftführer,
seit 1992 Ehrenvorsitzender der GEW Rheinland-Pfalz (Auszug aus der WSZ 7/92: „Eigentlich wollte Ernst Ranzenberger mit 70 ganz aus der GEW-Arbeit aussteigen. Aber das ließen die GEW’lerInnen nicht zu. Sie wählen ihn ganz einfach einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.“
seit 1974 Mitglied im Hauptpersonalrat Grund- und Hauptschulen beim Ministerium für Unterricht und Kultus

1980 erringt die GEW mit Ernst Ranzenberger als Spitzenkandidat die absolute Mehrheit im Hauptpersonalrat mit 52,4 % der abgegebenen Stimmen
1983

Wahl von Frieder Bechberger zum Vorsitzenden
(mit 40 Jahren jüngster Vorsitzender der GEW)

am 11. Mai 1983 in Koblenz
Auszug aus dem Protokoll: „Der Wahlausschuss schlägt den Kollegen Unger vor. Kollege Isensee schlägt den Kollegen Bechberger vor. Kollege Bechberger spricht sich für eine Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems aus. Er äußert Bedenken gegen ein sozialpartnerschaftliches Modell im Verhältnis zur Landesregierung. Konflikte gegen eine konservative Politik sollen gewagt werden. In der Frage des Unverein­barkeitsbeschlusses soll die GEW Rheinland-Pfalz an die Beschlusslage der GEW-Bund herangeführt werden... Wahlergebnis: abg. Stimmen 116, gültig 116, Kollege Unger erhielt 49 Stimmen, Kollege Bechberger 67 Stimmen....“
Daran schließt sich eine turbulente Landesvertreterversammlung mit Rücktritten und Rücktritten von den Rücktritten an.
„In seinem Schlusswort appelliert Kollege Bechberger noch einmal an alle Kollegen in der GEW, in der bevorstehenden schwierigen Phase, solidarisch zusammenzuarbeiten. Er dankt dem Kollegen Unger für seinen Einsatz und die Arbeit für die GEW in den vergangenen Jahren und überreicht ihm einen Strauß Blumen. Kollege Unger übergibt Kollegen Bechberger den Schlüssel zur Geschäftsstelle.“

In seinem Interview in der WSZ 6/83 wird Frieder Bechberger u.a. gefragt: „Kollege Bechberger, an Deine Wahl zum ersten Vorsitzenden der GEW Rheinland-Pfalz knüpfen sich bestimmte Erwartungen, besonders solche der nachdrängenden Generation. Von forscherer Gangart ist die Rede. Verstehst Du darunter einen Führungsstil nach dem Motto: Nur keinen Streit vermeiden! oder schwebt Dir eine größere Intensität und Beharrlichkeit in der Verfolgung gewerkschaftlicher Ziele vor oder wie definierst Du Deine Absichten? ... Antwort: Die GEW wird weiterhin die argumentative Auseinandersetzunge bevorzugen, das ist von mir nie anders gesehen worden. Im Moment sieht es aber doch so aus, als reiche das bessere Argument allein vielfach nicht mehr aus. Wir müssen uns, selbstverständlich in Diskussion und Absprache mit den Mitglieder, auch auf weitergehendere Formen der Auseinandersetzung einstellen, in unserer Satzung sind dafür eindeutige Regelungen vorgesehen... Daß wir Erfolge in Anbetracht der gegenwärtigen Lage nur mühsam werden erreichen können, liegt auf der Hand. Wir sollten also nicht zu viel erwarten. In vielen Bereichen müssen wir erreichte Positionen verteidigen. Das darf jedoch nicht durch perspektivlose Defensive geschehen.“

geb. 29.04.43

von 1970 – 1974 Vertreter des AjLE (Ausschuss junger LehrerInnen und ErzieherInnen)
in den 80ern

Entwicklung von der Lehrergewerkschaft zur Bildungsgewerkschaft

Eingliederung von Hochschulkräften und Erziehern in die GEW
Unter Frieder Bechberger werden die außerschulischen Fachgruppen verstärkt in die GEW integriert. 1989 erscheint erstmals eine Sonderbeilage in der WSZ 2-3/89 für die Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe unter dem Titel „Gemeinsam Erfolgreich Wirken oder Gemeinsam sind wir stärker“
  Festlegung der Kernforderungen/Grundsätze Wann in den 80ern?
 

„Der Teilarbeitsmarkt Schule in den 90er Jahren in Rheinland-Pfalz“
Gutachten im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung von Klaus Klemm und Michael Weegen

„Zur Erhaltung der jetzigen Versorgungs­situation müssen im Jahresdurchschnitt etwa 800 volle Stellen neu besetzt werden, das heißt, dass dieses minimale Einstellungsvolumen von etwa 7.200 Stellen gleichmäßig auf die Jahre bis 2000 zu verteilen sind....“
1986
 

Arbeitszeitverkürzung
40 Stunden-Woche auch für LehrerInnen
Mehr Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz

Überlegungen für einen muttersprachlichen Unterricht
1980
 

Weiterentwicklung der Grundschule
Förderung lernbehinderter Kinder
In der Bundesrepublik fehlen 150.000 Lehrer
Rückläufige Schülerzahlen – die Chance?

Arbeitszeitverkürzung nicht vom Tisch
1981
 

Problem 10. Hauptschuljahr
Abitur nach 12 Schuljahren
Unterrichtsausfälle und Lehrerarbeitslosigkeit

Flexible Teilzeitregelung – Chance für arbeitslose Lehrer
1982
 

„Ein durchschlagender Erfolg der GEW: 483 Kopilotenverträge werden entfristet – keine neuen unsozialen Dienstverträge“
Novellierung des LPersVG
Perspektiven der Hauptschule
Bafög-Änderungen
1. europaweite gewerkschaftliche Demonstration gegen Arbeitslosigkeit in Stuttgart
Friedenserziehung in der Schule

10 Jahre Extremistenbeschluss
1983
 

Gemeinsam für die 35-Stunden-Woche
Arbeitszeitverkürzung schafft Arbeitsplätze
Integrierte Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz
Hauptschule darf nicht Restschule werden
5-Tage-Woche in der Schule
Arbeitszeitverkürzung für Sozialpädagogen
Keine Absenkung bei der Eingangsvergütung

Berufsverbote
1984
 

Berufsschule – Stiefkind der Landesregierung
Eingruppierung der Pädagogischen Fachkräfte an Sonderschulen
Hochschulausbildung in der Zukunft
Kleine Dienstverträge abschaffen
Datenschutz und Schule
Fördern statt behindern

Keine Zwangsteilzeit für Beamte
1985
  Gesamtschule – endlich auch in Mainz
(siehe vorne Ernst Ranzenberger)
1986
 

Änderung des Landeshochschulgesetzes
Politische Lieder – unterschlagene Bildungsgüter
Berufsverbote
88,8 % aller Lehramtsbewerber abgewiesen

Datenverarbeitung/Personalinformations­systeme
 
 

Erziehungswissenschaftliche Hochschule: Der Name ist zu eng geworden
Frauenförderpläne für den Bereich der GEW
Modellversuch 10. Schuljahr an Hauptschulen
Hauptschule: eine vernachlässigte Schule
Vom Ministerpräsidenten versprochen: Arbeits­zeitverkürzung
Doppelqualifikation – eine Option auf die Zukunft
Anspruch auf Bildung auch für Kinder im Asyl

Arbeitszeitverkürzung: Knight-Wegenstein-Studie – Ein langer Kampf mit (bisher) wenigen Erfolgen
1987
 

Macht die Schule krank?
Umwelterziehung
Wie geht’s weiter mit der Arbeitszeitverkürzung
Vergütung des nebenberuflichen Unterrichts: Noch keine BAG-Entscheidung
Situation und Perspektiven ausländischer LehrerInnen
Lehrereinstellung fast eine Null-Runde
Mammutkurse in der gymnasialen Oberstufe

Dritte Welt im Unterricht
1988
 

Arbeitszeitverkürzung: Sollen wir wieder ausgetrickst werden?
Der Akademische Mittelbau richtet Forderungen an den Landtag
Sozialpädagogische Berufe streiten um zusätzliche Kindertagesstätten
Bundesverwaltungsgericht verbietet Zwangsteil­zeitbeschäftigung für Beamte – die Folgen in Rheinland-Pfalz
Zukunftsperspektive der EWH Koblenz und Landau
Aktionstag der GEW in Mainz: Heiter und gelassen – aber Wut im Bauch
Ganztagsschulen: Miteinander leben – voneinander lernen
Weniger Klassenarbeiten ab dem nächsten Schuljahr
Schulversagen und Gesellschaft
5-Tage-Woche: Kein weiterer Bildungsabbau

Eilmeldung: GEW-Erfolg – Stundentafelkürzung abgewehrt
1989

info
Die 70er

JAHRE EREIGNIS/STICHWORT FRAGE
 

Umwandlung der Grund-, Haupt-. und Sonderschulen in Simultanschulen (Abschaffung der staatlichen Konfessionsschulen, dafür Privatschulgesetz)

08.07.1970

1970

Pädagogische Hochschulen werden in Erziehungswissenschaftliche Hochschulen umbenannt

Es handelt sich nicht nur um eine Umbenennung sondern hiermit sind auch um eine grundlegende Veränderung der LehrerInnenbildung (vgl. 60-er Jahre)

 

Februar 1969

 

Kampf gegen Berufsverbote (vgl. Dokumentation zur Einschränkung von Meinungsfreiheit in Rheinland-Pfalz, Berufsverbote für Lehrer, herausgeg. von der GEW Rheinland-Pfalz)
Radikalenerlass!

  • 2 Kollegen aus dem Schuldienst entlassen
  • 4 KollegInnen von Entlassung aus dem Schuldienst bedroht (davon 1 mit Gehaltskürzungen versehen)
  • eine Kollegin nicht in den Schuldienst eingestellt.

„Es begann mit gefälschten Veranstaltungshinweisen und anonymen Denunziationen bei der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz. Die Fälschung wurde als solche erkannt, anonyme Briefe gehören normalerweise in den Papierkorb...
Allen Betroffenen ist gemeinsam, dass sie für ihren Dienst gelobt wurden, ihr Engagement geschätzt wird und dass sie bei Kollegen, Eltern und Schülern hoch angesehen sind. Sie wurden entlassen bzw. sollen entlassen werden, weil ihre politische Meinung als gefährlich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung angesehen wird. Parteimitgliedschaft und Engagement für DKP bzw. DFU werden vorgeworfen, zugelassene Parteien, für die einzutreten, sich zu ihr zu bekennen oder gar für sie sich zu engagieren hierzulande mit dem Risiko verbunden ist, seinen Beruf zu verlieren. Wir meinen, dass diese Verfahren weder vom Grundgesetz noch von der Landesverfassung abgedeckt sind... Solidarität mit den Betroffenen und Kampf für Grundrechte und Demokratie sind die Essentials gewerkschaftlicher Arbeit. Darum müssen wir, so lange diese Praxis besteht, sie mit demokratischen Mitteln bekämpfen...“ (Vorwort zur o.g. Dokumentation von Frieder Bechberger)

Auch innerhalb der Gewerkschaft wurde in den 70-er Jahren mit den sogenannten „Unvereinbarkeitsbeschlüssen“ gearbeitet, d.h. dass Mitglieder, die einer „verfassungsfeindlichen“ Organisation oder Partei angehörten, aus den Gewerkschaften ausgeschlossen werden konnten oder erst gar nicht aufgenommen wurden. Emil Knops war ein harter Verfechter der Unvereinbarkeitsbeschlüsse und hat z.B. neue FunktionärInnen in der GEW darüber befragt, „ob sie auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen“.

1975
1971 Erste Geschäftsstelle der GEW RLP
Auf Initiative von Emil Knops  wurde in Mainz, Große Bleiche 10 (Wüstenrot-Haus) die erste Geschäftsstelle der GEW Rheinland-Pfalz eingerichtet (3 Räume). Die Geschäftsstelle lag in unmittelbarer Nachbarschaft des Schulamtes, in dem Emil Knops als Schulrat sein Büro hatte.
Mit der Einrichtung dieser ersten Geschäftsstelle wurde am 01.02.1971 Monika Kraef eingestellt, die ein leeres Büro vorfand (vollkommen ohne Einrichtungsgegenstände). Erst nach und nach wurde von Monika die Geschäftsstelle aufgebaut und ein System in die Ablage usw. gebracht.
Im Laufe der Jahre wurden folgende KollegInnen in der Geschäftsstelle eingestellt:
  • Lotte Kolbe (1975)
  • Marlene Maillet (1978-1989)
  • Udo Küssner (1983)
  • Antonia Kurek (1988 –z.Zt. Erziehungsurlaub)
  • Jutta Heinen (1990-1998)
  • Bernd Huster (1993)
  • Brigitte Strubel-Mattes (1994)
  • Brigitte Schraml-Klein (1994)
  • Anna Schmidt (1998 – Auszubildende)
  • Silke Hessinger (1998)
Der zweite Sitz der Geschäftsstelle war in der Grebenstraße 18 (neben Bildungszentrum Erbacher Hof), die nächste Adresse Große Bleiche 16-18 (Haus der Kaufhalle) und seit Januar 1991 Neubrunnenstraße 8.
01. Februar 1971
  Kaktusverleihung Wer, wann, wo
 

Schülerschwemme «» Lehrermangel

Erklärung der GEW und des VKLD (Verband der Katholischen Lehrerschaft Deutschlands) zum Lehrermangel an Grund- und Hauptschulen vom 14.01.1970: „Legt man die im Jahre 1962 von der Kultusministerkonferenz für 1970 als Zielwert genannte Klassenfrequenz von 30 Schülern zugrunde, ergeben sich 1.961 Fehlstellen! Für das Schuljahr 1969/70 beträgt die durchschnittliche Klassenfrequenz noch 34,8 Schüler. Im laufenden Schuljahr gibt es in Rheinland-Pfalz an Grund- und Hauptschulen noch
2.664 Klassen mit über 40 Schülern
davon haben 930 Klassen mehr als 45 Schüler und

314 Klassen mehr als 50 Schüler!“

Zahlen?

siehe nebenstehend
 

„Lehrerschwemme“ «» Schülermangel

„Rückläufige Schülerzahlen – Gefahr einer „Lehrerschwemme“ oder Chance zur Verbesserung unseres Schulwesens“
Zusammenfassung

  • Der zu erwartenden Verringerung der Schülerzahl von Schuljahr 1972/73 zum Schuljahr 1978/79 um 51.700 entspricht eine Verringerung des Lehrerbedarfs um rund 1900 Lehrer.
  • Dem steht jetzt schon für dringend notwendige Maßnahmen zur Verbesserung unseres Schulwesens ein Mehrbedarf gegenüber.
  • Zur Reduzierung der Schülerhöchstzahl je Klasse
    a) an Grundschulen auf 36       von 1.395 Lehrern
    b) an Hauptschulen auf 40          von    185 Lehrer
  • zur Verbesserung des Bildungsangebots
    an Hauptschulen gemäß den schon be-
    stehenden Hauptschulrichtlinien
    (1,5 statt 1,3 Lehrer je Klasse)         von 1.000 Lehrern
  • Einführung des 10. Schuljahres an der
    Hauptschule        von 1.500 Lehrern
  • Einführung des Vorbereitungsdienstes
    für das Lehramt an Grund- und Haupt-
    schulen                von    500 Lehrern
  • Beteiligung der Lehrer an der zu erwar-
    tenden Arbeitszeitverkürzung      von     500 Lehrern

                                                            _______________
                                                                    5.080 Lehrer“

(WSZ 82. Jahrgang, 20. September 1973, Seite 156)
 
1975

Arbeitsmarktstudie Lehrer ??

Falls vorhanden werden die Daten nachgeliefert!

 
 

Aus fünf Bezirken werden drei

Mit der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform 1970 (Auflösung der Bezirksregierungen Montabaur und Rheinhessen und Neuschaffung eines Regierungsbezirks Rheinhessen-Pfalz) wurde diese Organisationseinheit auch auf die GEW-Strukturen übertragen: Die Bezirke Montabaur und Rheinhessen wurden aufgelöst und die Bezirke Rheinhessen-Pfalz, Koblenz (unter Einschluss von Montabaur) und Trier geschaffen.

Wann?

1971 Zusammen­schluss von Rhein­hessen und Pfalz

30.09.1972 Auflösung Montabaur

Fusion mit Koblenz
 

Im September 1973 wird die erste rheinland-pfälzische Integrierte Gesamtschule (IGS Bertha von Suttner in Kaiserslautern) eingerichtet.

Damit wird eine grundlegende Forderung der GEW erfüllt. Bereits lange vor der Gründung der Gesamtschule forderte die GEW die gemeinsame Ausbildung von Schülerinnen und Schülern aller Begabungsrichtungen in einer Schulart. Die IGS wurde in Rheinland-Pfalz als sechszügige Versuchsschule eingerichtet (die IGS Bertha von Suttner als Ganztagsschule) und zunächst ohne Oberstufe geführt. Das pädagogische Konzept der ersten Integrierten Gesamtschule in Rheinland-Pfalz war wegweisend für die dann weiter entstehenden Gesamtschulen in Ludwigshafen-Oggersheim (sechszügige Ganztagsschule) und in Kastellaun (fünf- sechszügige Halbtagsschule). Geprägt wurde die pädagogische Arbeit vom Team-Kleingruppen-Modell.
 
  Festlegung der Kernforderungen/Grundsätze
    • Neugestaltung der 2. Phase der Lehrerausbildung
    • Einführung der „Christlichen Gemeinschaftsschulen“
    • Die GEW auch Motor für die Lehrerbesoldung
    • Arbeitszeitverkürzung
    • Vorstellungen zur Neuordnung der Schulaufsicht
    • Senkung der Klassenfrequenzen
    • Hinweise zum Aufbau einer umfassenden Hilfe für Legastheniker in Rheinland-Pfalz
    • Lehrermangel nicht bagatellisieren
    • Reform des Bildungswesens in Rheinland-Pfalz
      (Ziel der Bildungsreform müssen Integrierte Gesamtschulen sein, alle Lehrer müssen eine gleichwertige wissenschaftliche Ausbildung erhalten, die Verlängerung der allgemeinen Schulpflicht auf 10 Vollzeitschuljahre, allgemeine Einführung einer gemeinsamen Orientierungsstufe)
    • GEW protestiert gegen willkürliche Auslegung des Landespersonalvertretungsgesetzes
    • Neuorganisation der Gymnasialen Oberstufe, hier: Oberstufenmodell Mainzer Studienstufe
    • Entschlossener Widerstand gegen die Verminderung der Zuwachsrate bei den Planstellen im Schulbereich

Wann in den 70ern?

1970
1970
1970
1970
1970
1971

1971
1971

 

 

1972

1973

1973

1973

Die 60er

JAHRE EREIGNIS/STICHWORT FRAGE
1960

Christliche Bekenntnisschulen wurden zugunsten von Simultanschulen abgeschafft
Dadurch entstand ein breiteres Bildungsangebot
Verankerung in Landesverfassung Artikel 29
(vgl. Festlegung der Kernforderungen)

Simultanschulen haben Vorrang vor Bekenntnisschulen

Wann,wo?

 

10.05.1967
 

Änderung Artikel 36 der Landesverfassung = Aufhebung der bekenntnismäßigen Lehrerbildung

14.02.1969

 

Bessere Ausbildung der Volksschullehrer

Einführung des sechssemestrigen Studiums an Stelle des bisherigen viersemestrigen Studiums für angehende VolksschullehrerInnen (leider immer noch an jetzt Pädagogischen Hochschulen statt an Universitäten)

Wann,wo?

 

1962
 

Eingliederung der Lehrerbildung in die Universität
„Die bisherige Isolierung der Lehrerbildung von den Universitäten hat auch im Laufe des Jahrhunderts zu einer Vernachlässigung der Pflege der Erziehungswissenschaft in Deutschland geführt. Dieser Rückstand ist angesichts der existenziellen Bedeutung von Bildung und Erziehung in unserem Zeitalter besorgniserregend... Dies darf nicht länger unter Berufung auf äußere Schwierigkeiten hinausgeschoben werden. Deshalb fordert die GEW die Eingliederung der Lehrerbildung in die Universität und bietet als mögliche Formen an:

  • eine pädagogische Fakultät oder
  • eine erziehungswissenschaftliche Abteilung in der philosophischen Fakultät oder
  • eine fakultätsübergreifende Abteilung.“
(Westdeutsche Schulzeitung Nr. 3, 73. Jahrgang, 13. Februar 1964, Seite 35)

 

 

 

 

1964

 

Einführung von Grund und weiterführenden Schulen

(vgl. Festlegung der Kernforderungen)
Wann,wo?
 

Reformbewegung (1968)
„Bericht über die Protestveranstaltung in Kaiserslautern am 20.03.68, gesendet im Ersten Deutschen Fernsehen, Landesstudio Rheinland-Pfalz: Die Lehrerschaft protestiert gegen die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Sperrvorschriften. Diese Sperrvorschriften verstoßen gegen die im Grundgesetz verankerte Kulturhoheit der Länder... Die Sperrvorschriften sind auch bildungsfeindlich ... Die Lehrerschaft von Rheinland-Pfalz bedauert es außerordentlich, dass die Regierung von Rheinland-Pfalz den Sperrvorschriften im Bundesrat zugestimmt hat, obwohl die Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz noch in diesem Jahr neu gestaltet werden soll.“

(WSZ Nr. 6, 77. Jahrgang, 18. April 1968, Seite 22)

Wann,wo?

 

 

1968, Kaiserslautern
     

In den „Westdeutschen Schulzeitungen“ der 60-er Jahre gibt es keine Artikel zu der Schülerschwemme und dem enormen Lehrermangel. Es fehlt außerdem jeglicher Hinweis auf eine Auseinandersetzung im Hochschul- oder Gewerkschaftsbereich zwischen den „Jungen Wilden“ der ausgehenden 60-er und den „Etablierten“.
Aus eigener Anschauung kann ich allerdings sagen, dass ab 1963 – zur „Rekrutierung“ neuer Lehrerinnen und Lehrer – besondere Oberstufenklassen an den Gymnasien für befähigte RealschülerInnen eingerichtet wurden. Außerdem konnten besonders qualifizierte Studierende bereits nach fünf Semestern eine vorgezogene Prüfung ablegen um möglichst rasch die Lehrtätigkeit aufzunehmen.

Damit möglichst viele junge Leute den Lehrberuf ergreifen, wurde die Besoldung „attraktiv“ gemacht.
     
 

Einführung von Schwerpunktfächer
(keine pädagogische „Zehnkämpfer“)
Aufhebung der Pädagogischen Hochschulen in Rheinland-Pfalz (Neuwied, Trier, Worms, Kaiserslautern werden aufgelöst und den bisherigen PHs Koblenz und Landau zugewiesen) und Einführung der Erziehungswissenschaftlichen Hochschulen (Koblenz und Landau) zum Wintersemester 1969. (Aus den ehemaligen Pädagogischen Hochschulen Trier und Kaiserslautern wird die Universität Trier-Kaiserslautern mit Schwerpunkt Naturwissenschaften.)

Damit wird gleichzeitig auch das Fachstudium für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen, neben den Erziehungswissen­schaften, anstelle des bisherigen „Studium Generale“ verbindlich eingeführt.

Wann,wo?

1968/69
  Kritische Haltung gegenüber Hochschulprofessoren Haltung der GEW
 

Schülerschwemme «» Lehrermangel

(vgl. Festlegung der Kernforderungen)
Maßnahmen der GEW
Zahlen
 

Stimme der GEW im deutschen Gewerkschaftsbund

„Der DGB stets ein Freund der Lehrerschaft! Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund an...
Grundsatzprogramm des Deutschen Gewerkschaftsbundes 1963, II. Bildung und Schule (Auszug): ... Das gesamte Schulwesen ist als eine organische Einheit zu behandeln. Bei der Reform unseres Erziehungs- und Bildungswesens ist der Übergang von einem Schultyp zum anderen zu erleichtern (Durchlässigkeit). Die Zahl der Schüler je Klasse ist auf ein pädagogisch vertretbares Maß herabzusetzen. Die Lehrer aller Schularten und –formen müssen an wissenschaftlichen Hochschulen studieren...“

(Westdeutsche Schulzeitung, Sondernummer, 74. Jahrgang, 25. März 1965, Seite 43)

Wann?

1965
 

Festlegung der Kernforderungen/Grundsätze

  1. Änderung des Artikels 29 der Landesverfassung = Abschaffung der einklassigen Volksschulen
  2. Änderung des Artikels 36 der Landesverfassung = Einführung der simultanen Lehrerausbildung (Abschaffung der konfessionellen pädagogischen Hochschulen!)
  3. Lehrermangel nimmt immer mehr zu, Schülerzahlen steigen enorm
  4. Novellierung des Personalvertretungsgesetzes, Unterstützung der Forderungen des DGB-Landesbezirks Rheinland-Pfalz
  5. Verbesserung der Lehrerbesoldung, Überleitung aus der Besoldungsgruppe A 10/A 10 a in die Besoldungsgruppe A 11 = Anfangsgrundgehalt steigt auf 820,00 DM!
  6. Forderung nach Einführung eines zweijährigen Referendariats für JunglehrerInnen
  7. Verlegung des Schuljahresbeginns auf den Herbst
    “Die Durchführung des Beschlusses der KMK in Rheinland-Pfalz ist nur dann sinnvoll, wenn damit die Einführung des 9. Pflichtschuljahres verbunden wird.“
    (WSZ Nr. 2, 75. Jahrgang, 10.02.1966, Seite 17)
  8. Forderung nach Einführung von Schulkindergärten
  9. Aufhebung der Differenzierung der Pflichtstundenzahl nach Schulgattungen (Forderung der GEW an das Ministeriums für Unterricht und Kultus vom 27.11.1967)
  10. Einführung des Faches Arbeitslehre als Schwerpunktfach an der Hauptschulen

Wann in den 60ern?

1964


1964

1964

1964

1965


1965

 

1966

1966

1967

1969

Die 50er

JAHRE EREIGNIS/STICHWORT FRAGE
1950 Gründung der GEW Rheinland-Pfalz 29.10.1950 in Worms
 

Unterschied zu anderen Lehrerverbänden:

überparteilich, überkonfessionell („bewusst antikonfessionelle Tradition der GEW angesichts der starken christlich-demokratischen Präsenz“),
im Deutschen Gewerkschaftsbund,

alle LehrerInnengruppen (Volksschule, Mittelschule, Gymnasium und berufsbildende Schulen) umfassend

z. B. VKLLD = Verband Katholischer Lehrerinnen und Lehrer Deutschlands (Vorläufer des VBE) und Lehrervereine im Beamtenbund

BLLV = Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (in Rheinland-Pfalz in der Pfalz)
 

Beamtengewerkschaft

Vier Forderungen der GEW bei Verhandlungen mit dem DGB:

  1. Die GEW sollte eine eigenständige Gewerkschaft, kein Teil der ÖTV, sein,
  2. die Kulturpolitik = Schulpolitik wird selbstständig von der GEW betrieben,
  3. die GEW hat eigene Finanzhoheit,
  4. der Bundesvorstand des DGB unterstützt die GEW in Fragen des Berufsbeamtentums
Überwindung der Distanz zur Arbeiterschaft, Überwindung der geschlechtsspezifischen Organisation und Überwindung der engen berufsständischen Zersplitterung in verschiedenartigen nach Schulformen orientierten Lehrerorganisationen gehörten zu weiteren Forderungen der GEW.
 
  Spaltung in Lehrerverbände im Beamtenbund Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund

Tatsächliche Spaltung bereits in den Jahren 1948/49, da zum einen die christliche Tradition (Beamtenbund) erhalten werden sollte, zum anderen die gewerkschaftlichen Positionen Einzug in der Lehrerschaft hielten
(vgl. Beamtengewerkschaft)

 

Gehaltsfrage
Besoldungsordnung für Volksschullehrer von 1950: Lehrer = Besoldungsgruppe A 4 c 2
Hilfsschullehrer = A 4 b 2
Konrektor = A 4 c 1
Rektor oder Hauptlehrer = A 4 b 1

Im 1. + 2. Dienstjahr hatte ein Lehrer monatlich 166,66 DM, im 3. + 4. 191,66 DM und im 5. Dienstjahr 226,66 DM zur Verfügung.

Westdeutsche Schulzeitung Nr. 19
59. Jahrgang, 13. Oktober 1950, Seite 204

von Wilhelm Müller, Gershasen (bei Westerburg)
 

universitäre Ausbildung wurde angestrebt
Prof. Dr. Zietz, Vorsitzender des Fachgruppenausschusses Hochschulen forderte 1951 in Braunschweig: „Die Ausbildung soll an Universitäten oder eigenständigen Pädagogischen Hochschulen erfolgen, deren Hochschulcharakter gewährleistet sein muss!“
Bezüglich der Forderung auf Eingliederung der Lehrerbildung in die Universitäten wurde auf den energischen Widerstand des Deutschen Hochschullehrerverbandes, dem rund 90 % aller Hochschullehrer angehören, verwiesen; sein Einfluss auf die Entscheidung der Kultusministerien sei erstaunlich groß. (Zitat Westdeutsche Schulzeitung Nr. 12, 60. Jahrgang, 28. Juni 1951, Seite 137)

Erläuterung zum Vorgängersystem:
Pädagogische Akademien bzw. Pädagogische Hochschulen

 

die Gewerkschaft GEW als eine demokratische Lehrergewerkschaft

  • Die Schule soll Anstalt des Staates sein, der Lehrer Staatsbeamter, die Schule soll von der Kirche emanzipiert sein.
  1. Das gesamte Schulwesen soll vom Kinder­garten bis zur Hochschule ohne Trennung nach sozialen oder konfessionellen Gesichts­punkten organisiert sein.
  2. Die Schulaufsicht soll fachmännisch sein und die Lehrer sollen auf allen Stufen der Schulverwaltung mitwirken.
  3. Alle Lehrer sollen eine gleiche Ausbildung an der Universität erhalten.
(vgl. auch Beamtengewerkschaft)
Im Gegensatz zu den Beamtenbundsverbänden
  Wahl von Emil Knops (Schulrat) zum 1. Landesvorsitzenden

13.07.1958 - Juni 1980

  Festlegung der Kernforderungen/Grundsätze
  1. Hebung der Volksschullehrerbildung (universitäre Ausbildung)
  2. Beseitigung der Wirtschaftsnot (hier inbesondere die wirtschaftliche Not des Lehrernachwuchses)
  3. Stellenbesetzung
  4. Der Rheinhessische Schulkampf (Kampf und Konfessions- oder Simultanschulen)
  5. Neueinführung eines Schulgesetzes
  6. Geteilter oder ungeteilter Unterricht (Koedukation) ?
  7. Leistungs- oder Erziehungsschule
  8. Landschularbeit
  9. Schülerbeurteilung
  10. Elternrecht und Kindesrecht
  11. Klassenmesszahl
  12. Frage der Schulgeldfreiheit
  13. Stand der Beamtenbesoldung in Rheinl.-Pf.
  14. Beginnender Kampf um die Einführung der 40-Stunden-Woche
  15. Neuordnung der Vorbildung der tech­nischen Lehrerinnen und Regelung ihrer Eingruppierung
  16. Die Situation der Berufsschule im Rahmen der kommenden Bildungsreform (Wohin soll das zukünftige 9. Schuljahr?)
  17. Rechtschreibreform (gemäßigte Kleinschreibung)
  18. Einklassige Schule gegenüber gegliedertem Schulsystem
  19. Kleine Klassen sind besser als viele Unterrichtsstunden
  20. Einführung des 9. Schuljahres
  21. Gesamtunterricht auf der Oberstufe
  22. Schulbau
  23. Personalvertretungsgesetz

Von 1957 bis 1963 fehlen uns entsprechende Unterlagen

Wann in den 50er?


1951

1951
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Beginn 1953
1953
1953
1954
1954
1954
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1954
1955
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1956
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1956
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